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Blauer Zweigelt 'Graf'
Zweigelt. Eine zwiespältige Rebsorte. Doch Sepp Muster liefert den Beweis, daß Zweigelt nicht nur eine simpel duftige Rebsorte mit harmlos attraktiver Struktur ist, sondern daß sie anspruchsvoll würziges Eigenleben entwickeln kann. Sein Zweigelt ‚Graf’ des Jahrgangs 2005 bietet pikante Mineralität in präzise gefaßter Spur auf der Zunge; lange nachklingend und perfekt fokussiert transportiert sie Blaubeeraromen, Pflaumenmarmelade, Zimt, Nelken, aber auch frische Noten wie Lorbeer, Wacholder und weißen Pfeffer über selbige. Lange zieht der Wein seine samtige Bahn an den Gaumen, seidig mit kühler Faust packt er die Zunge richtiggehend, streichelt sie und klingt dann kühl und lange nach.
Selten habe ich einen so eigenwillig angenehmen, überraschend natürlichen und entwaffnend überzeugenden Zweigelt probiert, wie Sepp Musters ‚Graf’ 2005. Der Musterwinzer Muster beherrscht seine Arbeit im Weinberg, sonst wäre sein Wein nicht so komplex gelungen im Sinne struktureller Vielschichtigkeit, wie er sich hier präsentiert.
Zweigelt ist keine große Rebsorte. Doch die Perfektion der Gerbstoffe, die Qualität des Mundgefühls und die feinmaschig elegante, kühl fließende Struktur dieses Referenzexemplares muß dem Sepp Muster in dieser Präzision erst mal jemand nachmachen. Mich erinnert der Wein an hochkarätigen Cabernet Franc von der Loire, an würzigen Côte de Nuits-Pinot, an Mencia aus dem spanischen Bierzo, an kühle Carignan aus dem Roussillon. Ein authentischer österreichischer Zweigelt in bestechend klarer, fein herausgearbeiteter Gerbstoffqualität von meisterhafter Verarbeitung, den wir zu Wild und sauren Braten besonders empfehlen.
Weingut Maria & Sepp Muster
Maria und Sepp Muster übernahmen ihr Weingut in der Südsteiermark 2001 von seinen Eltern. Sepp Muster hatte 1997 einen Biodynamik-Kurs absolviert, der ihn so nachhaltig beeindruckte, daß er sich unverzüglich an die Umstellung des 10 ha-Betriebes machte. Es war die Natur, die es den beiden Musters zunächst nicht leicht machte, und sie selbst verweigerten sich konsequent jener „schnellen“ Weinbereitung, die Jahr für Jahr gleich schmeckendes Profil liefert. Sepp Musters bewußt „langsam“ hergestellte Weine offenbaren faszinierende Lebendigkeit und kraftvolle Authentizität.
Sepp Muster ist ein stiller, bedachter Mann, der in seiner Weinbereitung keine vorgegebene Stilistik verfolgt, sondern Moste und Weine so weit sinnvoll sich selbst überläßt in der Entwicklung. Er greift natürlich ein, wenn es sein muß, läßt seinen Weinen aber ausreichend Zeit im Keller. Seine teilweise steilen Hanglagen dominieren steinige kalkhaltige Böden aus Mergel und tonigen Sedimenten, die in der Region als „Opok-Böden“ bezeichnet werden. Ihnen ringt Sepp Muster mittels spezieller Reberziehung und durch Dynamisieren und Ausbringen von Tees und Präparaten aus pflanzlichen, mineralischen und tierischen Substanzen kleinbeeriges, hocharomatisches Traubenmaterial ab, das er durch schonende Verarbeitung in Weiß- und Rotweine eigener Stilistik umsetzt. Spontanvergärung mit natürlichen wilden Hefen, weitgehender Verzicht auf kellertechnische Eingriffe und ein langer Ausbau in Holz mit einer Faßlagerung von bis zu 2 Jahren sorgen für ein Genußprofil, das in seiner Simplizität und unaufdringlichen Stringenz ungewohnt wirkt und Zeit braucht, um verstanden zu werden.
Familie Muster pflegt in ihren Weinen bewußte Bescheidenheit und mutige Gelassenheit. Keine aufgeregte Selbstüberschätzung, keine peinlichen Superlative, keine laute Selbstanpreisung, wie das in Österreich so oft der Fall ist, statt dessen profunde Arbeit in Keller und Weinberg, die sich weniger am Machen, als am Lassen und Werden orientiert. Das Ergebnis sind leise, bescheiden auftretende "langsame" Weinoriginale, wie sie authentischer kaum sein können. Sie brauchen vor allem eines: Zeit, Geduld und entsprechende Neugier auf Sensibilität.
Die Rebe
Zweigelt
Zweigelt ist die erfolgreichste rote Rebsorte Österrreichs. Sie wird in allen Regionen der Alpenrepublik angebaut, in denen rote Trauben ausreifen können. Allmählich wird er zumindest im Image abgelöst vom Blaufränkisch, der in seinen Weinen neuen Generation feiner, tiefgründiger, rassiger, frischer, eleganter, gediegener und hochwertiger daherkommt, als es Zweigelt jemals sein wird.
Die Rebsorte ist deshalb so erfolgreich, weil sie früher reift als Blaufränkisch und später austreibt als Sankt Laurent, was ihr, zumal auf tiefgründigen, nährstoffreichen Böden wie im Burgenland, relativ hohe und sichere Erträge beschert; allerdings wird sie bei zu hohen Erträgen schnell dünn, sauer und mager. Sie bringt gute Widerstandskraft gegen Rebkrankheiten mit und stellt keine hohen Ansprüche an den Boden und verträgt Trockenheit wie Frost.
Ein guter Zweigelt präsentiert sich saftig und mit gutem Körper, dezent säurebetont und eher weich als gerbstoffdominiert auf der Zunge; er verträgt Faßausbau ausgezeichnet und gefällt durch weiche, charakteristisch fruchtbeladene würzige Gerbstoffe, die ihre typischen Weichselkirsch- und schwarzer Pfeffer-Aromen duftig und transparent im Mundgefühl verteilen. Ein guter reinsortiger Zweigelt aus niedrigem Ertrag und seriösem Faßausbau kann durchaus ein paar Jahre reifen und entwickelt sich dabei zu feingliedriger Finesse in dunkelwürzig kühlen Fruchtaromen. Doch auch als Verschnittpartner macht die Rebsorte in Cuvées mit Blaufränkisch, Sankt Laurent, Cabernet oder Merlot eine gute Figur.
Zweigelt ist eine ur-österreichische Neuzüchtung. Friedrich Zweigelt, Direktor des Bundeslehr- und Versuchsamtes für Wein- und Obstbau in Klosterneuburg, kreuzte die Rebsorte 1922 aus St. Laurent und Blaufränkisch. Er nannte die entstandene Rebsorte ‚Rotburger’. Um Verwechslungen mit der Rebsorte ‚Rotberger’ zu vermeiden wurde sie 1975 in Zweigelt umbenannt. Friedrich Zweigelt war schon vor dem ‚Anschluß’ Österreichs 1938 ein überzeugter NSDAP-Anhänger, der auch im Wein ‚arisch rein’ sein wollte. Weil österreichischer Rotwein in der Zeit damals alles andere als farbintensiv war, war es üblich, ihn mit Färbeweinen, vornehmlich aus Italien, dunkel zu färben. Zweigelt wollte sich und alle geistesverwandten Weinbauern von dieser nichtarischen Untugend befreien und entwickelte über die Jahre aus seinem Rotburger jenen intensiv dunkelfarbigen Wein ‚arischer Reinheit’, der heute als Zweigelt fröhliche Triumphe feiert.
![]() | Österreich - Steiermark |
![]() | Zweigelt |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. OER05801 | |
| Inhalt 0.75l |


















