You're currently on:
Blauer Spätburgunder 'S'
Thomas Seegers Spätburgunder wachsen auf Muschelkalk, der unter einer Lößlehm-Auflage liegt. Dieser kühle, trockene Boden sorgt für kraftvolle Spätburgunder mit milder Säure und hoher Konzentration an Inhaltsstoffen. Thomas Seeger sucht die Konzentration in seinen Rotweinen, er mag Stoff im Mund und liebt Kraft auf der Zunge, doch er weiß, wie empfindlich Spätburgunder auf Überextraktion reagiert.
Diese Balance aus Kraft und Finesse spiegelt sich in seinen Rotweinen wieder, wobei sein blauer Spätburgunder mit dem 'S' aus einer Selektion besonderer Partien im Keller entsteht. Thomas Seeger hat ihn 14 Monate lang auf der Hefe ausgebaut und gereift. Seine Extraktion ist schonend, ergibt aber einen kraftvollen, dunkelfarbigen Spätburgunder mit erstaunlich viel Saft und Körper, der nach dunklen Beeren und Gewürznelken duftet, nach Zimt und Lakritze, aber auch nach getrockneten Tomaten und Bitterschokolade. Seine samtig schmelzenden Gerbstoffe sind präsent im Korn, mundfüllend und satt und weniger auf Länge ausgelegt, als auf Fülle und Struktur. Prompt tapeziert dieser blaue Spätburgunder auch den ganzen Mundraum mit würzigen, samtig auftretenden Gerbstoffen aus, die im Profil exakt dem Duft entsprechen.
2009 offenbart sich als großer warmer Jahrgang, stoffig mit viel physischer Substanz in den Gerbstoffen und viel Potential für perfekte Reife in den kommenden Jahren. Thomas Seegers Rotweine reifen ausgezeichnet, doch ist er, wie wir auch, der Meinung, daß Pinot Noir am besten im Alter von drei bis acht oder zehn Jahren schmeckt.‚Danach passiert nicht mehr viel’, meint er. Sein Pinot mit dem ‚S’ ist ein ungewöhnlich hochwertiger und anspruchsvoller deutscher Rotwein, der ob seiner Kraft und Dichte garantiert für Überraschung im Glas sorgt. Seinen Preis rechtfertigt er jedenfalls genüßlich.
Weingut Thomas Seeger
Thomas Seeger, seit 1990 bei uns im Programm, betreibt sein 7 ha kleines Familienweingut in Leimen bei Heidelberg an der badischen Bergstraße mit Engagement und konnte bereits dreimal den deutschen Rotweinpreis gewinnen. Trotzdem sind er und seine Weine nur Kennern bekannt, denn seine rund 40.000 Flaschen Jahresproduktion ‚verdunsten’ fast vollständig in der Region um Heidelberg. Sie sind meist schon ausverkauft, bevor sie gewachsen sind. 60 % seiner Produktion sind Rotwein, seine Weißweine sind weniger bekannt, beweisen aber nicht minder bestechende Qualität. Sie alle stammen aus Parzellen rund um Heidelberg und Leimen, wo Spätburgunder, Lemberger, Portugieser und Schwarzriesling neben Riesling, Weiß- und Grauburgunder auf Lösslehmböden stehen, die auf Muschelkalk und Buntsandsteinfundamenten liegen.
Thomas Seeger ist ein vielgereister und erfahrener Verkoster, weshalb insbesondere seine Rotweine zu den wenigen hierzulande gehören, die weit mehr sind als ‚typisch deutsche Rotweine’. Thomas Seeger war einer der ersten, der in Deutschland hochwertige Burgunderklone pflanzte und er beherrscht den Ausbau im kleinen Holzfaß souverän und praktiziert ihn in Perfektion. Dabei hat er sich einem bestimmten Stil, einem ganz persönlichen Geschmacksbild, von Spätburgunder verschrieben. Die empfindliche Rebsorte, die auf jeden Jahrgang im Weinberg anders reagiert und jedes Jahr aufs Neue in ihren Eigenarten im Keller ‚besiegt’ werden will, provoziert ihren Macher, fordert ihn heraus wie keine andere Rebsorte. Das Ergebnis ist das breiteste Stil- und Qualitätsspektrum, das eine rote Rebsorte haben kann. Alleine Burgund ist das beste Beispiel dafür, daß es den Pinot Noir weder gibt, noch geben kann. Jeder Winzer pflegt seine Philosophie (so er eine hat) und arbeitet für sie und mit ihr entsprechend in Weinberg und Keller. Grundsätzlich geht es entweder um Konzentration und Extraktion, also Kraftentfaltung, oder um Feinheit und Frische, also vibrierendes Leben. Immer gilt, daß der Schlüssel zu gutem Pinot Noir ausschließlich die Qualität seiner Gerbstoffe ist.
Dunkel und dicht in der Farbe, komplex und kompakt im Geschmack präsentieren sich Thomas Seegers Rotweine als raffiniert konzipierte Mischung aus Kraft und Finesse. Seine Weißweine sind saftig, trocken und potent strukturiert ohne alkoholischen Überhang. Er keltert nur handverlesenes, kerngesundes Lesegut, vergärt kühl und lange und wenn möglich spontan auf der Maische, um seinen Weinen anschließend je nach Qualität bis zu zwei Jahren im Faß auf der Hefe zu gönnen. Seit dem Jahrgang 2005 ist das Weingut Seeger biologisch zertifiziert.
Thomas Seegers Weiß- und Rotweine nur nur limitiert verfügbar.
Die Rebe
Pinot Noir
Ampelographisch gehört Pinot Noir zur Familie der Noirien-Rebsorten. Sie ist über tausend Jahre alt, deshalb stark degeneriert und in zahlreichen Varianten bekannt, wie Pinot Blanc, Pinot Meunier, Pinot Gris und Pinot Madeleine = Frühburgunder beweisen. Alleine in Frankreich kennt man heute über 50 verschiedene Klone, von denen jeder einzelne eine charakteristische Morphologie der Traube und stark divergierende Ertragsleistung, Resistenz gegenüber Fäulnis und Reifeverhalten besitzt. Generell ist Pinot Noir dünnschalig und deshalb frühreifend, weshalb er sich besonders in nördlichen Weinbauregionen durchgesetzt hat.
Pinot treibt nicht nur früh aus, er ist auch empfindlich für Spätfröste und Verrieseln; feuchte kühle Böden auf tiefgelegenen Lagen mag er gar nicht, er gelingt am besten auf kargen Kalksteinböden in kühlen Klimata, weil dort die früh reifende Traube nicht zu reif wird, um Aroma und Säure zu verlieren.
Pinot Noir stellt hohe Ansprüche an die Lagenqualität, das Mikroklima und die Pfropf-Unterlage. Es ist eine zickige Rebsorte, die anfällig ist für beide Mehltauarten, für Fäulnis (seine Beerenhaut ist dünner als alle anderen roten Sorten) und die Reiser- sowie Blattrollkrankheit. Deshalb ist die Qualität des Standortes, der Bodenchemie und des Mineralienhaushaltes so wichtig. Pinot Noir ist eine sehr anspruchsvolle Terroir-Rebsorte.
Doch auch im Keller verhält sich Pinot Noir zickig. Dort dient die Weinbereitung der möglichst schonenden Extraktion seiner dünnschaligen Beerenschalen, denen man möglichst viel Information wie Farb-, Geschmacks- und Aromastoffe entziehen möchte, ohne zu viel bittere Gerbstoffe zu extrahieren. Deshalb gibt es wie bei keiner anderen Rebsorte grundsätzliche ‚Schulen’ der Weinbereitung, die das enorme Stilspektrum der Rebsorte weltweit erklären. Es ist neben der Herkunft tatsächlich vor allem die fordernde Weinbereitung, die das Bild des Pinot Noir prägt. So vergärt man ganz grundsätzlich entweder mit oder ohne Stiele und Stengel, also abgebeert oder nicht; es gibt als ein Extrem die sogenannten Kaltvergärer, die unter starker Schwefelung die Trauben kalt mazerieren, um ihnen möglichst viel Frucht und Farbtiefe ohne zu viele Gerbstoffe abzugewinnen, und als entgegengesetztes Extrem die Traditionalisten, die ohne Eingriffe warm vergären und dadurch relativ hellfarbige Weine erhalten, die aber voll aromatischer Finesse und Eleganz sind.
Stilistik, Aroma und Geschmack reichen im Pinot Noir deshalb von fest, fast schon streng, über sauer, tanninschwer, bis zu unübertrefflich weich, samtig und aromatisch komplex. Den Ideal-Pinot gibt es nicht. Den muß jeder für sich finden. Wir definieren guten Pinot als in Duft und Geschmack deutlich an Schwarzkirschen erinnernd in einem Mundgefühl, dessen sensible Harmonie von Frucht und Gerbstoff, Süße und Säure so ausbalanciert ausfallen kann, wie man es in der Welt des Weines bei keiner anderen Rebsorte findet.
![]() | Deutschland - Baden |
![]() | Pinot Noir |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. DBR09300 | |
| Inhalt 0.75l |


















