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Bio-Wein
Für natürliches Weinvergnügen,
... aber »nur Bio« ist uns zu wenig.
 

Viele reden darüber, doch wer weiß schon, was es wirklich bedeutet, das »Bio« im Wein. Der Unterschied zwischen Bio- und konventionellem Weinbau steckt im Boden. Nur lebendiger Boden versorgt die Rebe auf natürliche Weise mit den notwendigen Nährstoffen. Deshalb baut der Biowinzer mittels Kompost, Begrünung und mechanischer Bearbeitung aufwendig Boden auf. Der konventionelle Winzer bearbeitet den Boden dagegen in der Regel nicht, er spritzt ihn mit Herbiziden ab und düngt synthetisch. Im Bioweinbau dürfen keine synthetischen Dünge- und Spritzmittel verwendet werden, was mit Boden- und Blattproben streng überwacht wird. Gespritzt werden muss im Bio-Anbau aber auch. Sogar häufiger als im konventionellen Weinbau. Das macht man mit Kupfer oder Backpulver, Schwefel und Pflanzentees, sowie den biodynamischen Präparaten 500 und 501. Biobetriebe werden regelmäßig kontrolliert, wobei der Unterschied zwischen EU-Bio- und Verbands-Bio-Zertifizierung auf EU-Ebene gravierend ist.

»Bio im Wein«
 

2012 kam nach 25 Jahren Streits zwischen den Nord- und Südländern der EU überraschend die EU-Durchführungsverordnung 203/2012 zur biologischen Kellerwirtschaft heraus. Sie regelt nun verbindlich das »Bio« im Keller. Wie zu erwarten fiel sie industriefreundlich aus, erlaubt also auch Großkellereien und Abfüllern Zusatzstoffe aus der konventionellen Kellerwirtschaft, inklusive geschmacksverändernder wie Eichenchips oder Reinzuchthefen, für die Produktion von »Bioweinen« zu verwenden, die sich nun offiziell so nennen dürfen.

Damit konterkariert besagte neue Verordnung unsere Vorstellung vom »Bio im Wein« grundlegend. Biowein wird durch sie zur Verbrauchertäuschung. Mehr dazu hier. Seriöse Verbände wie Bioland®, Ecovin®, Naturland®, Biodyvin® oder Demeter® sollten jetzt eigene, konkret eng gefasste Richtlinien erlassen, um ihr »Bio« in Weinberg und Keller von der merkantilen Makulatur des EU-Bio-Siegels und des einschlägigen Bioweinhandels abzugrenzen. Bislang ist diesbezüglich wenig passiert.

Doch auf Seiten engagierter Bio-Winzer mit seriöser Verbandszertifizierung regt sich Widerstand. Sie wehren sich gegen die legalisierte Verindustrialisierung des Bioweines und wollen nicht in einen Topf geworfen werden mit jenen billigen EU-Bio-Massen- und Markenweinen, deren Kontrolle vor allem im Süden Europas mehr vom Schreibtisch aus zu erfolgen scheint als faktisch vor Ort, wie der vielfache Nachweis verbotener Phosphonate u. a. durch die Zeitschrift »Ökotest« vermuten läßt. 

Mit derartigem »Formal-Bio« für das SB-Regal stehen vor allem engagiert arbeitende Spitzenwinzer, die sich in seriösen Bioverbänden organisiert haben, auf Kriegsfuss. Sie verweigern aus Protest die geforderten Bio-Formalien. Wir dürfen dann ihre Weine trotz jährlich aktualisierter Zertifizierung nicht mehr als »Biowein« verkaufen, obwohl sie weit mehr »Bio« sind als jene formal korrekt deklarierten Bioweine, deren Winzer oft nicht aus Überzeugung »Bio« betreiben, sondern aus wirtschaftlichem Kalkül. Biowein im Wandel. Man darf gespannt sein, wohin sich das »Bio« im Wein und sein Handel entwickeln werden.

Wichtig zu wissen: Die biologische Zertifizierung ist die Kontrolle präzise definierter Prozessabläufe. Sie ist keine Garantie für geschmackliche Qualität! Diese wird weder kontrolliert noch zertifiziert.

Biologischer Anbau hinterläßt grundsätzlich weniger Schadstoffe. Daß die Böden deshalb aber »gesünder« oder lebendiger und die Trauben »besser« als im konventionellen Anbau sind, garantiert Bioweinbau nicht automatisch. Wenn ein Winzer sein Handwerk nicht engagiert und professionell betreibt, fällt auch im Bioweinberg die Realität schnell sehr trist aus. Warum sind so viele Bioweine durch unnötige Auf- oder Entsäuerungen, Schönungen und andere »Korrekturen« im Keller entstellt? Warum schmecken so viele Bioweine langweilig unambitioniert und keinen Deut anders als ihre konventionellen Pendants? Anders als immer wieder behauptet, sind »Bioweine« weder per se authentischer noch »gesünder«, geschweige denn, daß sie »besser« schmecken würden als konventionelle Weine. Im Gegenteil: Im klassischen Bioweinhandel scheinen Ideologie und Preis nach wie vor wichtiger als geschmackliche Kriterien und Qualität. Anders sind die banalen Billig- und Markenweine völlig intransparenter Herkunft im Biohandel nicht zu erklären. Authentizität in Charakter und Herkunft, Ökologie und handwerklicher Anspruch verkommen auch dort immer mehr zu unglaubwürdigen Lippenbekenntnissen. Derart mangelnde »Transparenz« müsste der seriöse Biowein zum Thema machen, bevor sie ihm zum Problem wird!

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»Naturwein. Mehr als nur Bio.«
 

Für unsere Winzer ist »Bio« Lebensphilosophie. Ihre Weine sind »mehr als nur Bio«, weil sie im Weinberg aufwendig nachhaltig entstehen, um im Keller extrem schonend und so natürlich wie möglich ausgebaut werden zu können. Sie müssen »anders« schmecken als konventionelle Weine. Agrarindustriellen Weinbau, wie ihn die meisten hoch gefeierten Spitzenbetriebe noch immer in flächendeckendem Einsatz praktizieren, lehnen wir kategorisch ab. Handel und Presse verschweigen dies ignorant, um sich auf den Ausbau im Keller als für Stil und Qualität entscheidend zu kaprizieren. Dabei liegt der Schlüssel aller Qualität im Wein im Weinberg, weshalb wir nur noch engagiert biologisch wirtschaftende Betriebe ins Programm nehmen. Die müssen, weit »mehr als nur Bio«, im Keller garantiert auf alle »korrigierenden« Zusätze und Manipulationen verzichten, um uns jenen geschmacklichen Mehrwert garantieren zu können, den wir von ihnen fordern.