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Antoine Jobard

Familie Jobard sitzt in Meursault, dem kommerziellen Zentrum jener Côte des Blancs, deren vier Kommunen Meursault, Blagny, Chassagne und Puligny sich fast ausschließlich dem Chardonnay widmen. Sie ziehen sich entlang eines nur wenige Kilometer langen Streifens besonders kalkhaltiger Lagen und Böden, die der Rebsorte besonders behagen und den einmaligen Charakter ihrer Weine definieren. Kein anderes Weinland hat diesen Reiz der Unterschiede an Böden, Lagen und Klimata so kultiviert, wie Frankreich. In Burgund allerdings wirkt das nur zu oft unglaubwürdig, weil viel zu oft unambitionierte Winzer die Qualität ihrer Herkünfte nicht in entsprechende Qualitäts- und Stilunterschiede umzusetzen verstehen. Bei ihnen ist schon der einfache Burgunder viel zu teuer.

Antoine Jobard dagegen ist über jeden Zweifel erhaben. Er ist blutjung und übernahm gerade erst das Weingut seines Vaters, der Winzerlegende François Jobard, der neben François Coche-Dury und Dominique Lafon von der Domaine Comte Lafon die besten Weine in Meursault produzierte. Der Vater steht dem Sohn Jobard also noch beratend zur Seite, doch man hat das Gefühl, daß das der engagierte Jungwinzer nicht nötig hat. Er hat den legendären Stil des Vaters sensibel weiter geschärft und gilt trotz seiner Jugend bereits als Koryphäe in Meursault.

Ein untrügliches Indiz für das Qualitätsverständnis eines Betriebes ist dessen Qualitätspyramide. Sie kann kaum nachvollziehbarer und überzeugender ausfallen als bei Antoine Jobard. Sein einfacher Bourgogne Blanc unterscheidet sich zwar in Mundgefühl und Stilistik vom größten Wein im Portfolio, nicht aber in Qualität, Machart und Ausrichtung. Eindeutig prägt hier die Herkunft Stil und Geschmack seiner Weine und sorgt für deren unterschiedliche Charaktere.

Familie Jobard besitzt 5 Hektar in Meursault, von 437, die als Meursault vermarktet werden dürfen. Die ergeben ganze 2000 Kisten Wein, von denen die Familie leben muß. Burgund ist kleingliedrig.

Antoine weiß stilistisch genau, wo er hin will. Er lehnt den exzessiven Einfluß neuen Holzes im Wein vehement ab, auch wenn er derzeit mehr neues Holz einsetzt als sein Vater. Er tut das aber ausschließlich für die Physik und Chemie des Hefemanagements, das er für seine Stilistik für alles entscheidend hält, er tut es nicht für den vordergründigen Geschmack des Holzes. Zu viel neuer Holzeinfluß im Wein nimmt diesem seiner Meinung nach den Fokus, macht ihn breit und langweilig, zwar attraktiv in der Jugend, danach aber zerfällt er nur zu oft in müde Breite ohne Fokus.

Antoine Jobard sieht das Geheimnis seiner Weine im richtigen Lesezeitpunkt. Er liest auf perfekte Reife, also früher als viele andere Winzer in Meursault. Gelesen wird von Hand, sorgfältig und schonend wird ausschließlich kerngesundes Traubengut gekeltert. Der Most wird schonend geschwefelt, um die Präzision der Weine zu forcieren, dann geht er ohne Vorklärung trüb ins Holzfaß, wo er spontan vergärt. Die Malolaktik vermeidet der Jungwinzer ebenso wie das beliebte Hefesatzaufrühren für cremige Breite in den Weinen. Er will seine Weine so rassig und präzise wie möglich auf Flasche bringen. Die in Burgund selbstverständlich praktizierte Auf- und Entsäuerung lehnt Antoine Jobard ab und er zuckert nur auf, wenn es nötig erscheint.

Weißwein aus Burgund kann grandios sein. In den meisten Fällen ist er es leider nicht. Der Höchstertrag ist in Meursault festgelegt auf 45 hl/ha. In Ausnahmefällen darf dieser Ertrag um 20 % überschritten werden. Viele Weine schmecken nach deutlicher Überschreitung. Nicht so bei Jobards. Sie sind ambitionierte Qualitätsfanatiker, deren Stilistik allerdings eigenwillig ausfällt und schon profunde Kenntnis und Erfahrung voraussetzt, um nicht in den großen Chardonnay-Topf zu fallen, in dem sie dann prompt aus dem Raster fallen. Jobard-Weine sind keine Chardonnays für jedermann.

Wir halten den Handel mit Burgunder-Weinen für weitgehend inkompetent weil namenshörig und unkritisch, anders läßt sich das katastrophale Niveau so vieler Burgunder auf dem Markt nicht erklären. Bei Antoine Jobard freilich stimmt jeder Wein, von der kleinen Dorflage bis zum großen Lagen-Meursault. Statt auf vordergründige Fülle setzt er auf messerscharfen Herkunftscharakter. Er zelebriert Frische und Struktur in präziser Mineralität. Es ist begeisternde Präzision, die das Mundgefühl seiner Weine prägt. Daß Jobards Weine besser als andere reifen, sei am Rande erwähnt. Wer mit solcher Professionalität agiert wie Jobards, ist über jeden Zweifel erhaben. Die kerngesunden pH-Werte ihrer Weine und der gekonnt reduktive Ausbau auf der Vollhefe garantieren eine lange und vielversprechende Entwicklung. Doch weil sich Jobards Weine schon in ihrer Jugend derart lustvoll vernichten lassen, dürften es nicht all zu viele Flaschen werden, die ihr vorbestimmtes Reifeoptimum erleben.



  1. Meursault 'En la Barre'
    2009
    Meursault 'En la Barre'
    Jobard
    48,00 €
    0.75l 
  2. Puligny-Montrachet 'Le Trézin'
    2009
    Puligny-Montrachet 'Le Trézin'
    Jobard
    48,00 €
    0.75l 
  3. Meursault 1er Cru 'Poruzots'
    2009
    Meursault 1er Cru 'Poruzots'
    Jobard
    66,00 €
    0.75l 
  1. Meursault 1er Cru 'Genevriéres'
    2009
    Meursault 1er Cru 'Genevriéres'
    Jobard
    69,00 €
    0.75l