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Riesling »Ölberg»
Der »Ölberg« in Königsbach. Liegt oberhalb des bekannten großen Gewächses »Idig« und ist nur Kennern der Pfalz als Lage bekannt. Das besondere am »Ölberg« ist, wie beim »Idig«, der Kalkmergelboden, der auch diesem straff kristallinen Riesling neuer Pfalz-Generation begeisternd präzise Mineralität verleiht. Riesling für die Zunge, nicht für den Mund. Zwar durchaus cremig und stoffig, aber weder breit noch füllig, sondern pikant würzig, stahlig kraftvoll im Zug und rassig lang am Gaumen. Die neue Pfalz eben, die nach Präzision der Herkunft sucht, nicht nach irgendeiner Pseudo-Stilistik.
Zugegeben, der Wein ist anstrengend. Er ist ja auch noch blutjung. Phenolisch geprägt von Stielen und Schalen der Maischestandzeit, die er gebraucht hat, um natürlich seine Säure abbauen zu können, und des Holzes, in dem er ausgebaut wurde, braucht er unbedingt Luft in der Karaffe. Dann verschwindet sie auf magische Weise, die herbe Phenolik, integriert sich in die Struktur und sorgt plötzlich für Fülle und physische Präsenz im Mundgefühl. Der Jahrgang 2010 ist bei von Winning ein großer Jahrgang. Er entfaltet am Gaumen muskulöse Kraft in hefiger und kräuterwürziger, bestechend klarer Kristallinität, wie sie typisch ist für diesen Jahrgang, von gelben reifen Früchten in salziger Struktur durchsetzt. Saftig, feinziseliert in mundwässernder Säure, angenehm herb in der Phenolik, die für Druck und Länge am Gaumen sorgt. Dieser Brocken von Wein wird seine Ecken und Kanten der Jugend irgendwann auf wundersame Weise in der kraftvollen Grundstruktur des Weines auflösen und dann für pures Riesling-Wohlgefühl sorgen, losgelöst von Zeitgeschmack, Klischees und simplen Plattitüden. Ein Riesling, der Herkunft wagt, die er aber erst noch entwickeln muß auf der Flasche. Er muß noch zu sich finden. Dann aber wird er zum eindrucksvollen Solisten heranreifen, den man vermutlich am besten »solo« genießt.
Weingut von Winning
Achim Niederberger, Unternehmer aus der Pfalz, erkannte das Investitionspotential im Spitzenweinbau. Er investierte in renovierungsbedürftige Spitzenbetriebe, holte sich gute Leute, war bereit neue Wege in Weinberg und Keller zu gehen, und sorgt so für Bewegung in trägen, gewachsenen Strukturen, die nachhaltige Wirkung zeigen wird. 2007 kaufte er das Weingut Dr. Deinhard in Deidesheim. Als Betriebsleiter engagierte er Stephan Attmann, einen Spätberufenen, der seine Winzerlehre erst absolvierte, nachdem er schon diplomierter Betriebswirt war. Stephan Attmann kam über das Hobby Wein zum Beruf. Er ist routinierter Verkoster und kennt den Weinmarkt von innen wie außen. Während des Studiums bereiste er die Weinbaugebiete der Welt. In Baden absolvierte er eine Winzerlehre, anschließend jobbte er in berühmten Kellern, wo er sich profundes Weinwissen und Kellererfahrung erwarb. Den trockenen Weinen von Pfälzer Spitzenlagen widmet er das historische, aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts stammende Etikett Weingut von Winning, die einfachere Weinlinie firmiert unter Weingut Dr. Deinhard.
Stephan Attmann sieht sich geprägt von der französischen Weinkultur. Das handgelesene Traubengut läßt er aufwendig selektionieren, die Trauben quetscht er an und mazeriert sie anschließend nicht entrappt, dann gärt er ohne Vorklärung spontan an und baut alle Weine bis zur Füllung im Juni/Juli auf der Vollhefe teilweise in Edelstahl, teilweise in Holzfässern unterschiedlicher Größe aus. Anschließend verschneidet er die einzelnen Partien lagenrein miteinander.
Stephan Attmanns Weine zeichnet betörend kristalline Brillanz aus. Sie sind faszinierend reintönig im Charakter, strukturell und aromatisch aber raffiniert komplex und dicht verwoben. Auf verblüffende Weise erinnern sie an hochwertige weiße Burgunder. Sie wirken phenolisch im Geschmack, besitzen also feine Bitterstoffe im Nachklang, die aus den Beerschalen und Stielen der Maischegärung stammen und gekonnt in die Struktur des jeweiligen Weines integriert sind, und sie konzentrieren die Komplexität ihrer Herkunft in einem potent mineralischen Mundgefühl, das äußerst appetitanregend wirkt. Diese visionäre Orientierung am Mundgefühl gelingt dem Quereinsteiger Attmann so stringent und souverän, daß man über seine Qualitäten, so streitbar sie im Pfälzer Kontext sein mögen, nur staunen kann. Wir halten sie für eine überzeugende Bereicherung des vielfältigen Spektrums pfälzischer Spitzenweine.
Die Rebe
Riesling
Über Riesling läßt sich trefflich streiten. Es gibt viele Weintrinker, die mit der Rebsorte nicht zurechtkommen. Das mögen Vorurteile sein oder andere Gründe, fest steht: Riesling wagt Charakter.
Riesling ist in Stil und Charakter extrem abhängig von der Qualität seines Standortes. Sein kräftiges, ausdrucksvolles, gelegentlich auch analytisch präzise wirkendes Aromaprofil reicht von blumig über mineralisch und stahlig bis zu fruchtig und honigwürzig oder gar ölig, je nach Herkunft, Boden, Alter und Lage oder Exposition der Reben.
Sein markantes Aroma, das im Alter Petrolnoten entwickeln kann (die man mögen muß, wir mögen sie nicht), ist direkte Funktion eines sehr spezifischen Verhältnisses von Süße zu Säure und eines ungewöhnlich hohen Anteils an Monoterpenen, stark aromatischen Geschmacks- und Aromastoffen, die im Riesling ca. 10 bis 15 mal höher enthalten sind als in anderen weißen Rebsorten. Seine Langlebigkeit und die Fähigkeit, die Charakteristika seiner Herkunft (Lage und Exposition, sowie Boden) in besonderem Maße zum Ausdruck zu bringen, ohne dabei an Rebsortencharakter einzubüßen, machen Riesling in seiner besten Form zu einer der feinsten Weißweinrebsorten der Welt. Ein ähnlich anspruchsvolles und interessantes Spektrum an Aromen und Geschmack bieten nicht viele weiße Rebsorten der Welt.
Weil das Holz der Rieslingrebe sehr hart ist, ist Riesling relativ frostbeständig und deshalb ideal für kühle Anbaugebiete angeeignet. Er sollte aber in geschützten Lagen stehen, wenn er wirklich reife Trauben liefern soll und die Erträge nicht ins bodenlose sinken sollen. Selbst relativ hohe Erträge wie 60-70 hl/ha verdaut Riesling in guten Lagen ohne große Qualitätseinbuße. Er reagiert im Reifezeitpunkt aber unmittelbar auf niedrige Erträge, die er dann mit besserer Reife zu einem früheren Zeitpunkt belohnt, in Zeiten des Klimawandels ein immer wichtigerer Punkt.
Später Austrieb und die damit verbundene späte Lese sind ein weiteres Charakteristikum der Rebsorte. In kühlen Regionen wird Riesling oft erst Mitte Oktober bis Mitte November gelesen. Es scheint, daß gerade die lange und langsame Reifeperiode mit entsprechend langer Hängezeit am Stock der Rebsorte jene Komplexität und Größe vermittelt, für die großer deutscher Riesling weltberühmt ist. Erst so entwickelt er ein Maximum an Geschmacksfülle bei niedrigem Alkohol und feiner, reifer Säure.
Die besten Rieslinge gedeihen auf besonders günstigen Lagen in kühleren Weinbauregionen. Je wärmer Riesling steht, um so schneller erreicht er den Reifezeitpunkt, entwickelt dann aber nicht sein legendär frisches Süß-Säure-Spiel mit aromatisch komplexen und reizvollen Aromastoffen. Riesling kann schnell plump und langweilig wirken.
Nicht immer also ist das vermeintlich Beste im Wein wirklich gut genug. Riesling braucht, wie Pinot Noir, mehr als nur das (nicht existente) Beste. Vielleicht wird er deshalb von so manchem Weinfreund falsch verstanden.
![]() | Deutschland - Pfalz |
![]() | Riesling |
![]() | Langsam |
![]() | 6er Karton |
| Art-Nr. DPW10906 | |
| Inhalt 0.75l |











