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Riesling »Kalkofen» GG 
2010

Riesling »Kalkofen» GG

»Kalkofen«. Veritables Großes Gewächs in Deidesheim mit ausgeprägtem Lagencharakter. Hier schimmert stets die Lage durch, egal wie der Wein vinifiziert wurde. Knapp 5 Hektar groß ist die Deidesheimer Große-Gewächs-Lage. Sie steht auf Kalk, Lehm und mergeligem Ton. Ihr Name kommt nicht von ungefähr, verweist er doch auf ein ehemaliges Korallenriff, auf dem später ein Kalkbrennofen stand. So reicht die Geschichte im Wein bis in die Neuzeit hinein und macht sie schmeckbar.

»Kalkofen« 2010 ist ein echtes großes Gewächs. Herkunft und Charakter, unverwechselbar miteinander verbunden. Einmal mehr beweist der umstrittene Jahrgang 2010 in diesem Wein seine ureigene Physik und Chemie. Um den Wein auf natürliche Weise zu entsäuern, hat ihn Stephan Attmann mit Stiel und Stengel auf der Maische stehen lassen. Durch den so erzielten höheren Kaliumgehalt fiel Tartrat aus und die vorher dominante Säure wurde gebunden und auf natürliche Weise harmonisiert. Deshalb dominieren nun tragende phenolische Elemente seinen Geschmack, Relikte der Weinbereitung, der Maischestandzeit.

Phenole kommen aus den Beerenschalen. Sie schmeckt man als mehr oder weniger herbe Bitterkeit, die allen Weinen von Stephan Attmann (und nicht nur seinen!) im Jahrgang 2010 als tragendes Strukturelement dienen. Sie setzt er als Kontrapunkt zur kristallinen Säurepräsenz des Jahrgangs ein, was im großen »Kalkofen« zu einer irre lebendigen Balance im Mundgefühl führt. Der Wein begeistert, vibriert vor Lebendigkeit, wirkt nervös und ungeduldig, will auf die Piste, um zeigen zu können, was in ihm steckt. 2010 in rarer Hochform, allen Kritikern zum Trotz. Enorm druckvoll im Mundgefühl, wie großer Meursault. Kalkige Präsenz. Saftige Fülle. Weich und hart zugleich. Charme und Potenz in stimmiger Harmonie. Der Wein braucht Sauerstoff, denn Attmanns Weinbereitung nutzt die Redoxpotentiale des oxidativen Ausbaus ohne Vorklärung auf reduktiver Hefe,  so daß sein »Kalkofen« 2010 in der Karaffe auch über Tage nicht kaputt zu kriegen ist. Grandioses Trinkvergnügen, fordernd, packend, berührend. Ein Wein, der einen nicht mehr losläßt. Großes Kino für Kenner, Könner und Genießer. Einer der Weine des Jahrgangs, der auch in Jahren noch jedes Mal für Furore sorgen dürfte, wenn er zelebriert wird.

Weingut von Winning

Achim Niederberger, Unternehmer aus der Pfalz, erkannte das Investitionspotential im Spitzenweinbau. Er investierte in renovierungsbedürftige Spitzenbetriebe, holte sich gute Leute, war bereit neue Wege in Weinberg und Keller zu gehen, und sorgt so für Bewegung in trägen, gewachsenen Strukturen, die nachhaltige Wirkung zeigen wird. 2007 kaufte er das Weingut Dr. Deinhard in Deidesheim. Als Betriebsleiter engagierte er Stephan Attmann, einen Spätberufenen, der seine Winzerlehre erst absolvierte, nachdem er schon diplomierter Betriebswirt war. Stephan Attmann kam über das Hobby Wein zum Beruf. Er ist routinierter Verkoster und kennt den Weinmarkt von innen wie außen. Während des Studiums bereiste er die Weinbaugebiete der Welt. In Baden absolvierte er eine Winzerlehre, anschließend jobbte er in berühmten Kellern, wo er sich profundes Weinwissen und Kellererfahrung erwarb. Den trockenen Weinen von Pfälzer Spitzenlagen widmet er das historische, aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts stammende Etikett Weingut von Winning, die einfachere Weinlinie firmiert unter Weingut Dr. Deinhard.

Stephan Attmann sieht sich geprägt von der französischen Weinkultur. Das handgelesene Traubengut läßt er aufwendig selektionieren, die Trauben quetscht er an und mazeriert sie anschließend nicht entrappt, dann gärt er ohne Vorklärung spontan an und baut alle Weine bis zur Füllung im Juni/Juli auf der Vollhefe teilweise in Edelstahl, teilweise in Holzfässern unterschiedlicher Größe aus. Anschließend verschneidet er die einzelnen Partien lagenrein miteinander.

Stephan Attmanns Weine zeichnet betörend kristalline Brillanz aus. Sie sind faszinierend reintönig im Charakter, strukturell und aromatisch aber raffiniert komplex und dicht verwoben. Auf verblüffende Weise erinnern sie an hochwertige weiße Burgunder. Sie wirken phenolisch im Geschmack, besitzen also feine Bitterstoffe im Nachklang, die aus den Beerschalen und Stielen der Maischegärung stammen und gekonnt in die Struktur des jeweiligen Weines integriert sind, und sie konzentrieren die Komplexität ihrer Herkunft in einem potent mineralischen Mundgefühl, das äußerst appetitanregend wirkt. Diese visionäre Orientierung am Mundgefühl gelingt dem Quereinsteiger Attmann so stringent und souverän, daß man über seine Qualitäten, so streitbar sie im Pfälzer Kontext sein mögen, nur staunen kann. Wir halten sie für eine überzeugende Bereicherung des vielfältigen Spektrums pfälzischer Spitzenweine.

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Die Rebe

Riesling

Über Riesling läßt sich trefflich streiten. Es gibt viele Weintrinker, die mit der Rebsorte nicht zurechtkommen. Das mögen Vorurteile sein oder andere Gründe, fest steht: Riesling wagt Charakter.

Riesling ist in Stil und Charakter extrem abhängig von der Qualität seines Standortes. Sein kräftiges, ausdrucksvolles, gelegentlich auch analytisch präzise wirkendes Aromaprofil reicht von blumig über mineralisch und stahlig bis zu fruchtig und honigwürzig oder gar ölig, je nach Herkunft, Boden, Alter und Lage oder Exposition der Reben.

Sein markantes Aroma, das im Alter Petrolnoten entwickeln kann (die man mögen muß, wir mögen sie nicht), ist direkte Funktion eines sehr spezifischen Verhältnisses von Süße zu Säure und eines ungewöhnlich hohen Anteils an Monoterpenen, stark aromatischen Geschmacks- und Aromastoffen, die im Riesling ca. 10 bis 15 mal höher enthalten sind als in anderen weißen Rebsorten. Seine Langlebigkeit und die Fähigkeit, die Charakteristika seiner Herkunft (Lage und Exposition, sowie Boden) in besonderem Maße zum Ausdruck zu bringen, ohne dabei an Rebsortencharakter einzubüßen, machen Riesling in seiner besten Form zu einer der feinsten Weißweinrebsorten der Welt. Ein ähnlich anspruchsvolles und interessantes Spektrum an Aromen und Geschmack bieten nicht viele weiße Rebsorten der Welt.

Weil das Holz der Rieslingrebe sehr hart ist, ist Riesling relativ frostbeständig und deshalb ideal für kühle Anbaugebiete angeeignet. Er sollte aber in geschützten Lagen stehen, wenn er wirklich reife Trauben liefern soll und die Erträge nicht ins bodenlose sinken sollen. Selbst relativ hohe Erträge wie 60-70 hl/ha verdaut Riesling in guten Lagen ohne große Qualitätseinbuße. Er reagiert im Reifezeitpunkt aber unmittelbar auf niedrige Erträge, die er dann mit besserer Reife zu einem früheren Zeitpunkt belohnt, in Zeiten des Klimawandels ein immer wichtigerer Punkt.

Später Austrieb und die damit verbundene späte Lese sind ein weiteres Charakteristikum der Rebsorte. In kühlen Regionen wird Riesling oft erst Mitte Oktober bis Mitte November gelesen. Es scheint, daß gerade die lange und langsame Reifeperiode mit entsprechend langer Hängezeit am Stock der Rebsorte jene Komplexität und Größe vermittelt, für die großer deutscher Riesling weltberühmt ist. Erst so entwickelt er ein Maximum an Geschmacksfülle bei niedrigem Alkohol und feiner, reifer Säure.

Die besten Rieslinge gedeihen auf besonders günstigen Lagen in kühleren Weinbauregionen. Je wärmer Riesling steht, um so schneller erreicht er den Reifezeitpunkt, entwickelt dann aber nicht sein legendär frisches Süß-Säure-Spiel mit aromatisch komplexen und reizvollen Aromastoffen. Riesling kann schnell plump und langweilig wirken.

Nicht immer also ist das vermeintlich Beste im Wein wirklich gut genug. Riesling braucht, wie Pinot Noir, mehr als nur das (nicht existente) Beste. Vielleicht wird er deshalb von so manchem Weinfreund falsch verstanden.

 

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Deutschland - Pfalz
weissRiesling
Langsam
6er Karton
Art-Nr. DPW10901
Inhalt 0.75l
Alkohol: 12,5 Vol %
Trinkbar ab: > 2013
Optimale Reife: - 2020+
Restzucker: < 3 g/l
Anbau: Naturnah
Ausbau: Holzfaß > 300 l
Boden: Kalkmergel
Besonderes: Teilweise Holzfaßausbau
Dekantieren: Ja
Vergärung: Spontan- & Reinzuchthefe
Verschlussart: Naturkork
Biogene Amine: Nein
pH-Wert: 3,29

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