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Brunello di Montalcino Riserva DOCG 'La Fiorita' 
2004

Brunello di Montalcino Riserva DOCG 'La Fiorita'

Hören wir ‚Riserva’ in Italien, klingeln bei uns normalerweise die Alarmglocken. ‚Riserva’, das heißt in Italien meist mehr Holzeinfluß, trockenere Tannine, mehr Alkohol, weniger Trinkvergnügen. Wir kennen nur wenige Ausnahmen dieser Regel.

Bei Roberto Cipresso gibt es eine Riserva nur, wenn ein besonderer Jahrgangsverlauf besondere Trauben hervorbrachte, die schon an der Kelter beweisen, daß Sie besondere Saftqualität haben werden. Nur dann baut Roberto Cipresso diese Partie getrennt aus. Nur dann läßt er sie 2 Jahre im Faß reifen, um sie anschließend noch einmal zwischen zwei und fünf Jahren auf der Flasche reifen zu lassen. Kann der Wein dann mit Mehrwert überzeugen, bringt er ihn als Riserva deklariert auf den Markt. 2004 war so ein besonderes Jahr.

Der Wein spielt definitiv in einer anderen Liga als der schon bemerkenswerte ‚normale’ La Fiorita-Brunello. Sein Anderssein macht sich nicht in mehr Holzeinsatz oder Extraktion bemerkbar, sondern in mehr Struktur, in mehr Druck am Gaumen mit mehr Gewicht auf der Zunge, durch mehr innere Dichte, vor allem aber durch eine traumhafte Finesse, die sich in gewaltigen Ladungen ultrafeiner, samtiger Gerbstoffe manifestiert, die aber so fein gereift sind, daß man sie nicht wie warmen Samt, sondern wie kühles Kaschmir auf der Zunge erlebt. 

Ein Hammer von Wein. Ein Brunello, der durch seine schwärmerische Eleganz wertvoll und vornehm wirkt wie wenige. ‚Reich’ ist ein Wort, das diesen Wein treffend beschreibt. Er wirkt ‚reich’ an Information und üppig auf der Zunge, badet buchstäblich in reifer Frucht und omnipräsenter balsamischer Würze in einem supereleganten Mundgefühl, das so mächtig wirkt wie fein. Perfekte Balance von Kraft und Finesse, von Ausstrahlung und Wirkung. Mundgefühl in sinnlicher Purezza. Entspannung in Sachen Geschmack, irre Komplexität der Aromen und dabei gar nicht anstrengend, sondern einfach und verblüffend verständlich zu genießen. Über die Qualität dieses Weines wird man kaum streiten, sie ist unbestritten, man wird lediglich über seine Stilistik diskutieren. Die manifestiert sich in balsamischer Qualität von Nougat über Kaffee zu sommerlich ätherischen Kräutern, schwelgerisch, schwärmerisch, kraftvoll sich entfaltend in subtiler Sanftheit und spielerischer Kraft. Brunello auf die Spitze getrieben, ohne laut zu werden. Sensible Kunst des Weinmachens als die Kunst der leisen Töne. Bravo!

Fattoria La Fiorita

Wer K&U kennt, kennt Roberto Cipresso. Mit ihm arbeiteten wir schon zusammen, als er 1987 das Weingut Ciacci Piccolomini in Montalcino aus der Taufe hob und binnen weniger Jahre zu einem der meistbeachteten Weingüter dort machte. Dann verschwand er war für ein paar Jahre von der Oberfläche, tourte durch die ganze Weinwelt, wurde Weinmacher der Bodegas Achaval-Ferrer in Argentinien, einem kleinen, aber feinen Familienbetrieb in  Mendoza, dem er mit famosen Weinen internationale Meriten bescherte, und er baute zielstrebig und mit Weitblick ein Weinberatungsunternehmen unter seinem Namen auf, das heute von der Pflanzung im Weinberg über die Graphik der Etiketten bis zur Finanzverwaltung alles bietet, was ein Weingut braucht, um im internationalen Markt bestehen zu können. 2006 wurde er von der italienischen Sommeliervereinigung zum besten Önologen Italiens gekürt, wobei er Wert darauf legt, keiner jener typisch italienischen Önologen zu sein, die jeden Betrieb nach dem gleichen Rezept auf die gleiche Stilistik trimmen; er geht die Beratung seiner Kunden so individuell wie möglich an, um jedem Projekt den ureigenen  Charakter zu bewahren bzw. ihn gezielt zu entwickeln. Robert Cipressos Website widmet sich selbstbewußt seinen  vielfältigen Aktivitäten, die in Art und Breite vermutlich einmalig sind in der bunten Welt des Weines.

Montalcino ließ ihn nie wirklich los und so tauchte Robert Cipresso 1992 wieder in Castelnuovo dell Abate auf, wo für ihn alles begann, um das eigene kleine Weingut  aufzubauen: La Fiorita. Italienisch für blühende Blumen. Sie schmücken seine eigenwilligen Etiketten. Als Partner holte er sich seinen alten Freund Lucio Gomiero von Vignalta im Veneto ins Boot und Tiziano Siviero, einen ehemaligen Rally-Weltmeister. Knapp 10 Hektar haben die drei Partner auf La Fiorita heute unter Reben stehen, die meisten sind 35 Jahre alt, ein paar Parzellen pflanzte Robert 1990 nach. Ihre Pazelle ‚Poggio al Sole’ liegt niedriger und ist deshalb wärmer als ‚Pian Bossolino’, beide liegen zwischen 100 und 300 m Höhe im südlichsten, dem wärmsten Teil der Appellation Montalcino und sind reine Südlagen. Hier entstehen Roberto Cipressos Brunelli, die Burgund nach Montalcino bringen.

Seine Botschaft als Weinmacher wie auch als Weinberater ist ‚Terroir’. Das bezieht er aber nicht nur auf den Boden, sondern auf die gesamte Herkunft, wobei er sich selbst als wichtigstes Element dabei bezeichnet. Bei aller Geschäftstüchtigkeit ist Roberto Cipresso ein sehr romantischer, warmherziger Mensch, der seine Leidenschaften pflegt. Deshalb sind seine Weine auch so persönlich in Stil und Charakter.


Wir halten Brunello di Montalcino für eine ähnlich überbewertete Region wie Ribera del Duero in Spanien. Brunello braucht man nicht wirklich. Die Appellation hat weder ein Gesicht noch Charakter noch Rückgrat. Doch Roberto Cipresso auf der einen und Francesco Leanza auf der anderen Seite ergänzen sich in ihren Extremen auf so überzeugende Weise, daß sie nachvollziehbar machen, daß Montalcino eben doch ein großes Terroir sein kann.

Wir würden nicht zwei verschiedenen Brunello-Produzenten anbieten, wenn sie nicht Sinn machen würden im Programm. Das ‚Terroir’ Montalcinos in seiner pursten Ausprägung, mal präzise auf die Herkunft bezogen, mal der Macher im Fokus seiner Herkunft. Roberto Cipressos Weine geben sich südlich und warm, burgundisch weich und füllig, sehnsüchtig schwärmerisch, rund und mollig, durchaus so opulent wie romantisch verspielt. Francesco Leanza sieht in seiner ‚Podere Salicutti’ das genaue Gegenteil: Präzise und knackig unbequem, gar nicht romantisch, sondern analytisch und maximal ehrlich ganz auf die Herkunft bezogen, er nimmt sich selbst zurück, um seinen kargen Kalkboden, den berühmten Galestro, sprechen zu lassen, der seine kühlen Lagen auch kühl und spröde prägt, der Geduld braucht und unverwechselbaren Charakter verleiht, nicht minder burgundisch wie La Fiorita, nur ganz anders. Besser? Schlechter? Anders! Wer Brunello beurteilen will, sollte definieren, was er in Brunello sucht! Den Brunello gibt es so wenig, wie es den Bordeaux gibt. Deswegen sind Vergleichsverkostungen sinnloser Quatsch. Hier haben Sie Gelegenheit, dem Begriff ‚Terroir’ hinterher zu schmecken bei zwei Winzern, die es ernst meinen mit dem Begriff, aus Überzeugung  aber völlig entgegengesetzte Exemplare abliefern, die doch vieles gemein haben. Sie kreisen wie zwei Pole um das Thema Montalcino, beide sind einmalig und unverwechselbar, und doch stilistisch wie geschmacklich diametral entgegengesetzt. 

Francesco Leanza arbeitet zertifiziert biologisch. Seine Lagen gehören zu den höchsten und kühlsten in Montalcino.  Roberto Cipresso arbeitet naturnah konventionell, seine Lagen gehören zu den wärmsten  der Region. Beide lesen sorgfältig von Hand. Leanza vergärt spontan aber reduktiv temperaturkontrolliert in Edelstahl, Cipresso spontan oxidativ in oben offenen hölzernen Gärbottichen. Bei beiden gehen die Moste anschließend in Fässer aus französischer Eiche, um nach einem Jahr auf der Hefe für ein weiteres Jahr in großen traditionellen Fässern aus slovenischer Eiche auszureifen. Beide filtrieren ihre Weine nicht. Ist das nicht die Faszination ‚Terroir’? Brunello di Montalcino als eigenwillig rarer Terroirwein. 

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Die Rebe

Sangiovese

Sangiovese ist die Rebsorte, mit der bei uns alles begann. Vor über 30 Jahren waren wir einer der ersten Importeure italienischer, genauer: toskanischer, Weine in Deutschland und wir importierten damals, 1978, nichts anderes als Chianti, also Sangiovese.

Die war auch damals eine rote Rebsorte. Allerdings schmeckten ihre Weine ganz anders als heute. Damals war Sangiovese noch sehr viel weniger homogen und qualitativ, als sie sich heute darstellt. Sangiovese ist eine vermutlich sehr alte Rebsorte, die mit ca. 100.000 Hektar eine der wichtigsten Italiens ist; sie bedeckt dort immerhin rund 10 % aller Weinberge. Sie neigt, wie Pinot Noir, stark zur Mutation. Deshalb gibt es eine Vielzahl von Klonvariationen, die, unter unterschiedlichen Namen angebaut, als Sangioveto, Brunello, Prugnolo gentile oder Morellino angebaut werden, alle aber sind sie Sangiovese in allerdings sehr unterschiedlicher Ausprägung und Qualität. Die Rebsortenfamilie ist über die Jahrhunderte so stark mutiert, daß es Jahrzehnten großer Anstrengung bedurfte, um die besten Klonen zu finden, zu analysieren und schließlich zur Verfügung zu stellen, was erst in den letzten Jahren erfolgreich gelang. Der Charakter der Rebsorte und ihrer Weine hat sich also über die letzten Jahre ziemlich verändert, was auch nötig war, weil das Qualitätsspektrum zu breit und zu heterogen war, um auf dem internationalen Markt in Anbetracht der nicht zimperlichen Preise noch konkurrenzfähig sein zu können.

Gute Sangiovese besitzt präsentes, stets etwas spröde wirkendes Gerbstoffgerüst mit appetitlicher Säure, die es durch reife Lese und niedrige Erträge in Zaum zu halten gilt; ihre Farbe ist nie sehr intensiv, weshalb sie so häufig mit Malbec, Petit Verdot, Syrah oder Cabernet Sauvignon verschnitten wird; Sangiovese reift spät aus und bringt deshalb in guten, warmen Jahren körperreichen, alkoholstarken und langlebigen Wein hervor; in kleinen, kühlen Jahren dagegen wird sie schnell sauer und mager mit hartem Gerbstoff im Mundgefühl; hohe Erträge forcieren harte Säure und führen zu heller Farbe, die schnell in Oxidation umschlägt. Ihre erstaunlich dünnen Beerenschalen sind fäulnisanfällig, was durch die unterentwickelte Rebkultur der Toscana dazu führte, daß Sangiovese auch auf Lagen gepflanzt wurde, auf denen sie besser nicht hätte stehen sollen. Das erklärt die noch immer enormen Qualitäts- und Geschmacksunterschiede, die einem die Rebsorte verleiden können.

Hauptanbaugebiet der Sangiovese ist die gesamte Toskana, wo sie in Weinen wie dem Vino Nobile di Montepulciano, dem Carmignano, vielen Super-Tuscans und im Brunello di Montalcino die dominierende Rolle spielt. Doch auch in der  Maremma, der Emilia-Romagna, in Umbrien, den Marken und auf Korsika ist Sangiovese unter regionalen Synonymen und lokalen Verschnitten eine wichtige und prägende Rebsorte.

Heute wird Sangiovese als edle Rebsorte gehandelt. Ob sie wirklich so edel ist, wie ihre Popularität vermuten läßt, hängt an ihrem Anbau und der Qualität ihrer Vitikultur. Daran hapert es in Italien noch mächtig, wie die wenigen Ausnahmen der Regel mit grandiosen Qualitäten, die leider nicht die Regel sind, unter Beweis stellen.

 

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Vorübergehend nicht verfügbar.
je Flasche à 0.75l / 66,53 €/L
inkl. MwSt. / zzgl. Versand
Italien - Toskana
rotSangiovese
Langsam
6er Karton
Art-Nr. ITR04351
Inhalt 0.75l
Alkohol: 14 Vol %
Trinkbar ab: sofort
Optimale Reife: - 2016+
Restzucker: < 2 g/l
Anbau: Naturnah
Ausbau: Tradit. Holzfaß
Boden: Kalkmergel
Besonderes: Unfiltriert
Dekantieren: Ja
Vergärung: Wilde Hefe (spontan)
Verschlussart: Naturkork

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